Dom. A. Morot Beaune Teurons 2002 (verführerische Nase, frisch und fröhlich, aber etwas sehr wenig Tiefe, kurz) und Dom. de l'Arlot Nuits-St.Georges "Clos des Forêts St.Georges" 1999 (momentan etwas verschlossen; wenn die einzelnen Komponenten, die alle schon da sind, sich finden und der Wein an Süsse gewinnt (woran ich glaube), wird es ein schöner Wein) waren die beiden Burgunder. Die perfekten Vorbands für meinen Star des Abends, Kanzel 04 (aber die beiden Hermitage waren auch sehr schön).
Vielen Dank, Dieter, für die kurzfristige Organisation des Besuches bei Bürklin-Wolf.

Sehr interessant und angenehm fand ich die Ausführungen Stefan Dorsts. Er überlegt nicht nur, bevor er den Mund aufmacht, sondern auch, bevor er im Weinberg oder Keller anfängt zu arbeiten. Sehr überzeugend fand ich den frischen, saftigen Basisriesling. Bei jeder weiteren Qualitätsstufe ein „ja, aber ...“ Die Weine legten an Dichte, Struktur und Mineralik zu - zu Lasten der Frische.
1. Dunkles Gelb. Sehr starke Firne, weisse Blüten, nach Belüftung laktisch, recht alkoholisch. Im Mund überraschende Säure (scheint recht typisch für ABC-Chardonnays zu sein, ein fast aus dem Kontext fallende, rassige Säure), die laktische Note wird wieder aufgenommen, mittlerer Schmelz im Abgang, durchaus lang aber irgendwie nichtssagend. Deutlich harmonischer nach Belüftung.
ABC Chardonnay "Le Bouge D'à côte" 1994.
2. Etwas heller als 1. Wein. Leichte Mineralik (Kalk), etwas Vanille, insgesamt frischer, etwas Ethylacetat (Klebstoff), überreife Äpfel. Säure gut eingebunden, mittelgewichtig, rund, etwas Nougat. Recht schlank, aber schön. Nach Belüftung dichter.
Verget Corton Charlemagne 1996.
3. Dunkelzitronig. Rauchiger, laktischer als die vorherigen Weine. Tolle Präsenz im Mund, Textbook Chardonnay, Nougat-Schmelz im Abgang. Gross.
ABC Chardonnay "Sanford & Benedict" 1996.
4. Dunkler mit Grünreflexen. Unfertig in Nase und Mund, Holz etc. Immerhin etwas Säure. Gut gemacht, aber – zumindest im Sommer – nicht mein Wein.
Landmark Overlook 1998.
5. Grüngold. Süss und alkoholisch in der Nase. Holz im Mund, stattliche Säure, kurzer Abgang. Gewinnt nach Belüftung.
Kongsgaard 1998.
6. Gereiftes Rot. Sehr tiefes Mon-Cheri. Richtig schöner, runder Pinot (und viel zu schade, die einzelnen, miteinander verwobenen Nuancen zu sezieren). Aus Freude am Genuss.
ABC Pinot Noir "Sanford & Benedict" 1996.
7. Ähnliche Farbe. Süsser als 6., insgesamt komplexer und tiefer. Nichtsdestotrotz fand ich Nr. 6 noch schöner.
Wild Horse Pinot Noir Central Coast 1996.
8. Eine Spur dunkler. Alkohol, Rumtopf. Präsent im Mund, aber etwas kurz. Zu kurz.
Ojai Pinot Noir Bien Nacido 1997
9. Schöne Pinot-Nase, etwas grün. Sehr schöner Wein, noch etwas jung.
Saintsbury Pinot Noir Reserve Carneros 1997
10. Sehr dunkler Kern, zum Rand hin blasser. Eukalyptus bzw. Minze in der Nase, ungeheuer tief. Likörige Frucht, aber wenig Tannin, balsamisch, würzig, reif. Im Abgang Tannine etwas eckig.
Ridge York Creek 1984
11. Dunkler Kern, zum Rand hin blasser. Reife Noten in der Nase, süss. Am Anfang im Mund sehr breit, wird dann immer dünner, Abgang spröde. Vermutlich vor 10 Jahren sehr schön.
Ridge York Creek 1985
12. Farbe dito. Balsamisch. Im Mund etwas einfach. Over the top.
Georges de Latour Beaulieu Vineyard 1985.
Die Weine 13 bis 15 habe ich kaum noch mit detaillierten Notizen versehen. Zum einen aufgrund des Zustandes fortgeschrittener Trunkenheit, zum anderen waren die Weine alle wirklich zum Niederknien. Beim Ridge Monte Bello 1994 steht nur „gross“. Bleibt das Bonmot, ein grosser Wein bedürfe keiner Verkostungsnotiz, da man sich immer an ihn erinnern werde. Der Corison war die Eleganz in Perfektion, alles rund und ausgewogen. Das stilistische Gegenteil wurde durch Pahlmeyer CS 1997 repräsentiert, von allem mehr, mehr grüne Aromen, mehr Süsse, mehr Alkohol, mehr Säure, mehr Tannine. Dadurch war dieser Wein trotz des Überschwangs harmonisch. So etwas wie den letztgenannten Wein kann es nur Kalifornien geben, während sich ein Corison-Gewächs sehr gut in einer hochwertigen Bordeaux-Probe schlagen würde. Ich möchte und kann keine qualitative Wertung vornehmen, dafür waren die Weine stilistisch zu unterschiedlich.
Da ich nun vollständig betrunken war und meine Gedanken schwerlich vom Triumvirat lösen konnte, zogen die ersten vier Zinfandel an mir vorbei wie 30 km Weserradweg, nach bereits 120 km in den Beinen. Das ist sehr schade in Anbetracht der schönen Weine, aber ich konnte ihnen partout nicht mehr gerecht werden. Zum Schluss ein Wein, der vielleicht Anlass geben könnte, ernsthaft über Doping im Weinbau zu diskutieren ... Turley Black Sears 1998 ... Alpe D’Huez ... die Nase, alkoholisch, fast brandig ... Lance Armstrong schaut sich um ... der erste Schluck im Mund ... Lance attackiert mit seiner unnachahmlichen Trittfrequenz, ein Staccato geradezu schmerzhafter Tritte auf sämtliche Rezeptoren im Mund- und Rachenraum. Beeindruckend, ehrerbietend, unnahbar, nicht von dieser Welt, aber keinerlei Emotion auslösend.
Togni 1998 habe ich nicht mehr probiert, ich hätte diesem grossen Wein nicht mehr die Konzentration schenken können, die er verdient hätte.