Endlich komme ich auch dazu, meine Notizen hier ins Forum zu stellen. Sorry, dass es so lange gedauert hat, aber in Umzugszeiten gibt es ja auch immer viel zu tun

, zu entdecken

, mit, naja, emotionalen Hochs (Schlendern durch Bornheim) und Tiefs (mit dem Rennrad auf der Friedberger Landstraße). Anyway, ich habe eine schöne Wohnung, die schon fast eingerichtet ist und bin daher froh, so schnell nicht wieder umziehen zu müssen.
Zu den Weinen - im allgemeinen:
Bisher fand ich die "Naturweine" ja durchweg spannend, auch gar nicht unbedingt anstrengend. In so konzentrierter Form allerdings sticht doch eine Eigenschaft hervor, die mir so gar nicht gefallen will: der ähnliche Ausbau hat etwas sehr Nivellierendes (oder kann haben). Es scheint mir dabei weniger die Spontanvergärung zu sein - die setzt Reinhard Löwenstein auch ein, und er schafft es wie wenige, seine Terroirs sprechen (klingen) zu lassen - sondern eher den z.T. langen Kontakt zu Traubenhäuten und -stengeln. Das gibt den Weinen eine harte, kurze Gerbstoffstruktur, der ich auch nicht grundsätzlich negativ gegenüberstehe: z.B. Henriks Weißweine weisen auch deutliche Gerbstoffe auf, die tragen aber die Struktur und wirken balancierend zu Säure und Süße. Werden aber diese Tannine texturbestimmend, wie bei manchen der verkosteten Weinen, überdecken sie andere Informationen im Wein, namentlich das Terroir (hier gehe ich nicht ganz konform mit einigen Vorschreibern). Denn im Unterschied zur Traubensorte, die häufig über die Nase charakteristisch zu erkennen ist, ist das Terroir immer auch texturprägend. Wenn die Traubensorte eines Weins nicht mehr zu erkennen ist – das darf, muss aber nicht so sein. Wenn aber das Terroir verschleiert wird, hey, das ist nicht meine Welt. Ich fühlte mich zum Teil erinnert an unsägliche Barriqueexzesse der 90er Jahre. Das Thema ist im Qualitätsweinbau ja durch, und so müssen die Winzer wohl bei Tanninen in Weißweinen (v.a. aus den Stengeln) einfach auch noch etwas Fingerspitzengefühl entwickeln. Ein spannendes Werkzeug (s.o.), so lange es nicht den Rest zukleistert. Wenig Schwefel ist ja eigentlich genau mein Ding, aber ganz drauf zu verzichten (Mun Jebel, Pico) scheint nicht gerade erfolgsversprechend zu sein. Der Pico hatte immerhin eine schöne Textur.
Die Ausnahmen:
Ja, hier kann ich mich Peter & Peter nur anschließen, Nr. 7 war toll. Die Cremigkeit, die den Wein aber aufgrund der Säure nicht müde machte, das hat richtig Spaß gemacht. Hier wäre sogar die Traubensorte zu erkennen gewesen (reife Äpfel, Lindenblüte); dass ich daneben lag (Chardonnay aufgrund der Textur), macht ja nichts. Schließlich musste ich mich auch noch parallel auf eine Olivenölverkostung konzentrieren und dem Smalltalk wollte ich mich auch nicht entziehen.
Nr. 6, Manon blanc, wusste auch mich mit seiner Cremigkeit zu überzeugen. Und – ja, selbst ich habe gemerkt, dass der Wein von Kalkböden kommt. Sollte der Wein gut reifen können (was ich vermute), dann werden aus dem Böckser mal schöne Röstaromen.
Den Arbo
is „Les Gravieres“ (Nr. 1) habe ich aus der Probe auf der Hausmesse etwas schöner in Erinnerung, diese Mischung aus Single Malt, Jod, Rauch, käsig und Kalk war spannend, aber auch anstrengend.
Mein Resümee dieser Runde: Nicht alles, was in den letzten 3000 Jahren an Fortschritten im Keller erzielt wurde, war schlecht. Das Experimentieren allerdings mit alten, vergessenen Methoden ist spannend und kann, entsprechendes Fingerspitzengefühl vorausgesetzt, den Weinen zusätzliche Komplexität verleihen.
Clos Marie Metairies du Clos 99, 00, 01, 04, 05: 2004 gefiel mir am besten aufgrund der feinen Gerbstoffe und der Frische des Weins. 1999, der mir bei anderen südfranzösischen Weinen in jungen Jahren meist besser gefiel als die vermeintlich besseren, aber auch üppigeren 1998 und 2000, scheint auch bei diesem Wein über dem Zenit zu sein. 2001 ebenso. Der 2005er gefiel mir noch einen Tick besser als der Wein des Jahres 2000. Ob die beiden jüngsten Jahrgänge aufgrund der Umstellung auf Biodynamik die – für mich – schönsten waren, weiß ich nicht, vieles spricht dafür. In einigen Jahren, wenn man auch die Reifung der 04er und 05er beobachten konnte, wird man dies sicherer beantworten können.
Insgesamt ein toller Abend, zu dem auch besonders unser „Privatkoch“ beigetragen hat.
Viele Grüße
Dirk